Schlechte Luft zu Hause?  Wenn Wohnen krank macht…

So unglaublich es ist: Krankmacher im Haushalt verbergen sich fast überall. Typischerweise stecken sie in Möbeln, Teppichböden, Tapeten und sogar modernen Energiesparlampen. Obwohl es inzwischen Sicherheitskennzeichnungen gibt, achten die Wenigsten beim Möbelkauf auf die Herstellerangaben zur Materialzusammensetzung oder zu den verarbeiteten Lacken und Farben. Inventar, das sich schon länger im Haus befindet, wird ohnehin selten kritisch unter die Lupe genommen. So passiert es, daß verarbeitete Span- oder Faserplatten, die häufig Formaldehydharze als Bindemittel enthalten, lange Zeit das giftige Formaldehydgas freisetzen. Ähnlich verhält es sich bei Farben, Lacken, Kleistern und Holzschutzmitteln vor allem in Altbauten, die giftige Dämpfe an die Luft abgeben.

Ein ganz großes Thema sind auch Phthalate, die sogenannten Weichmacher, die sich vom Duschvorhang über Fensterdichtungen, Fußbodenbeläge bis zu Elektrokabeln und Plastikspielzeug in fast jedem Winkel der meisten Wohnungen finden. Sie entweichen konstant in die Raumluft und gelten als höchst gesundheitsgefährdend, da sie den Hormonhaushalt beeinträchtigen.Einige dieser Weichmacher sind zumindest in Spielzeug gemäß EU-Richtlinie inzwischen generell verboten. Untersuchungen der Zeitschrift Öko-Test zeigen jedoch, daß viele Spielzeugartikel aus Kunststoff die Phthalate nach wie vor enthalten.

Laut Statistik ist in 17 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Raum von Schimmel befallen.

Neben zahlreichen gesundheitsgefährdenden, chemischen Schadstoffen lauern im Haushalt auch biologische Gefahren. Spülschwämme und Handtücher zum Beispiel sind Lieblingsorte von Keimen und Mikroorganismen, mit denen sich Menschen mit angeschlagener Gesundheit rasch infizieren können. Schimmelpilze siedeln sich gerne hinter Schränken an feuchten Wänden an. Ihre Sporen, die sich durch die Luft verbreiten, gehören zu den riskantesten Innenraumallergenen. Bei Schimmel sollte daher sofort reagiert werden! Denn aus ersten unspezifischen Symptomen wie Husten oder Muskelschmerzen können mittel- und langfristig ernsthafte Gesundheitsprobleme folgen.

Davor warnt auch Prof. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). „In rund 95 Prozent handelt es sich um Inhalationsallergene, zu denen an erster Stelle Hausstaubmilben und Schimmelpilz gehören.“

Sie sind in der Raumluft enthalten und belasten Bronchialsystem und Schleimhäute. Einen geringeren Anteil nehmen Kontaktallergene ein, wobei es durch kleinste Fremdmoleküle lokal begrenzt zu juckenden Hautrötungen und Reizungen kommt. Bei häufig wiederholtem Kontakt mit dem Allergen kann sich eine chronische Allergie entwickeln.

Selbst von Gegenständen, die eigentlich für eine angenehme Atmosphäre sorgen sollen, gehen Gefahren aus: Duftstoffe in Duftlampen und -ölen, Raumsprays, Räucherstäbchen oder Reinigungsmitteln erzeugen laut einer Studie des Umweltbundesamtes bei 15 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Duftstoff-Allergie.

Duftstoffe sind die zweithäufigsten Auslöser von Kontaktallergien – und die behält man ein Leben lang.

Das Problem bei den meisten Raumgiften ist, daß sie selten auffallen und Erkrankungszeichen von Müdigkeit bis Gelenkproblemen fast nie unmittelbar damit in Verbindung gebracht werden. Wenn die Wohnung muffig riecht oder die unangenehmen Ausdünstungen aus der neuen Wohnlandschaft oder dem neuen Fußbodenbelag auch nach Wochen nicht verschwunden sind, hilft nicht nur häufiges Lüften – man muß der Sache auf den Grund gehen. Wer aber kommt schon darauf, daß die Aromatherapie im eigenen Bad für die anhaltende Atemwegsinfektion verantwortlich ist?

Da wir den Großteil unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen und gerade das Zuhause eine Quelle der Entspannung und des Wohlfühlens sein sollte, ist Vorbeugen gegen Raumgifte das beste Mittel.

Prüfinstitute schaffen Klarheit

Wer den Verdacht hat, daß von der eigenen Wohnung Raumluftbelastungen ausgehen, kann das von bundesweit existierenden Umweltambulanzen und baubiologischen Analyselabors prüfen lassen. Die passende Adresse erhält man über Anfragen bei der eigenen Krankenkasse, über die Stiftung Warentest in Berlin oder über eine Internet-Recherche. Auch die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF), der Berufsverband Deutsche Baubiologen (VDB) oder das Institut für Baubiologie (IBN) nennen zertifizierte Prüffirmen und Baubiologen.

Fast 40% der deutschen Bevölkerung ist auf die eine oder andere Weise allergisch belastet.

Jede Allergie bedeutet Krankheitssymptome – eine Einschränkung der Lebensqualität. Zumindest in der persönlichen Rückzugs- und Ruhezone, der eigenen Wohnung, sollte jeder Mensch sich unbelastet wohlfühlen.

Lassen Sie sich beraten, werfen Sie die ungebetenen Untermieter aus Ihrer Wohnung!

Sie verstecken sich hinter den schönsten Fassaden und bergen oftmals ungeahnte Gesundheitsrisiken: Schadstoffe und Keime in Wohnung oder Haus führen zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Haut- und Atemwegsallergien oder sogar neurotoxischen Leiden. Experten nennen die von Gebäuden und Inventar ausgehenden Krankheiten „Sick-Building-Syndrom“. Welche Schadstoffmenge in der Raumluft gesundheitliche Probleme macht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Fakt ist: wer ein schwaches Immunsystem hat, sollte Schadstoffe im Haushalt vermeiden. Wer sich in den eigenen vier Wänden rundum wohl fühlen möchte, auch. Doch welche Stoffe sind riskant, wie spürt man sie auf, und wie kann man sich schützen?

Gesundheitsschädigende Stoffe im Wohnumfeld sind unsichtbar, meist geruchlos und vor allem zahlreich.

Nachgefragt bei bei Prof. Matthias Augustin

Prof. Matthias AugustinMEDIZIN COMPACT fragte nach bei Prof. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

MC: Welche Rolle spielen Allergien für die Wohngesundheit?

Prof. Matthias Augustin: Eine große, denn rund ein Drittel aller allergischen Reaktionen wird in Innenräumen ausgelöst. In rund 95 Prozent handelt es sich um Inhalationsallergene, zu denen an erster Stelle Hausstaubmilben und Schimmelpilz gehören. Sie sind in der Raumluft enthalten und belasten Bronchialsystem und Schleimhäute. Einen geringeren Anteil nehmen Kontaktallergene ein, wobei es durch kleinste Fremdmoleküle lokal begrenzt zu juckenden Hautrötungen und Reizungen kommt. Bei häufig wiederholtem Kontakt mit dem Allergen kann sich eine chronische Allergie entwickeln.

MC: Was hilft bei einer Innenraum-Allergie?

Prof. M.A.: Die erworbene Sensibilisierung auf das Allergen bleibt meist lebenslang bestehen. Voraussetzung für Beschwerdefreiheit ist das konsequente Vermeiden des Allergens, was natürlich nicht immer möglich ist. Bei Atemwegs-allergien stehen wirksame Therapeutika zur Verfügung. Die effektivste Maßnahme ist die Hyposensibilisierung, eine Art Allergie-Impfung, bei der nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen bekämpft werden. Bislang bekommen das leider erst 20 Prozent der Betroffenen. Die Hyposensibilisierung funktioniert sehr gut zum Beispiel bei Hausstaubmilben.
Gegen Schimmelpilze gibt es sie jedoch noch nicht. Ein Kontaktekzem wird bei schweren Verlaufsformen kurzzeitig systemisch behandelt und ansonsten topisch (Anm. der Red.: lokal, auf eine bestimmte Stelle des Körpers beschränkt) mit geeigneten Medikamenten. Das kann manchmal zu Folgeerkrankungen wie Hautinfektionen durch Pilze und Bakterien führen, die dann wiederum gesondert behandelt werden müssen.

MC: Was kann ein Allergiker ansonsten noch für sich selbst tun?

Prof. M.A.: Bei Allergien an der Haut ist es wichtig, die gestörte Barrierefunktion wieder herzustellen und dadurch das Eindringen von Allergenen zu erschweren. Geeignet sind seifenfreie Syndets mit einem pH-Wert zwischen 5 und 6,5 (Anm. der Red.: Syndet ist die Kurzform des Begriffs „synthetische Detergentien“, was so viel heißt wie „künstliche Waschmittel“) und Wasser-in-Öl-Schutzcrèmes, die frei von Farb- und Duftstoffen sind. Unter ärztlicher Beratung lassen sich die Pflegemaßnahmen immer auf den aktuellen Hautzustand, der sich durch Lebensalter, Klima und Umwelt natürlicherweise verändert, einstellen. Bei gutem Hautschutz werden durchaus kleinere Mengen des Allergens toleriert. Bei Atemwegsallergien gibt es den Pflegefaktor nicht. Hier gilt es, therapeutische Maßnahmen mit dem Arzt abzustimmen.