Roland Kaiser

Er spricht vielen aus der Seele. Erotik, Sexualität und Hoffnungen schwingen zwischen jeder Liedzeile mit. Seine Begabung ist es, die unausgesprochenen Sehnsüchte, Phantasien und Ängste des Publikums zu erfühlen und musikalisch umzusetzen. „Das Leben hat mich zu dem gemacht, der ich bin, erfunden sind höchstens die Begegnungen, von denen ich singe“, resümiert Sänger und Texter Roland Kaiser. Er gilt als einer der erfolgreichsten und produktivsten Interpreten deutschsprachiger Schlagermusik, mit mehr als 90 Millionen verkauften Tonträgern und Schlager-Ohrwürmern wie „Dich zu lieben“, „Santa Maria“ und „Joana“.
Heute lebt der 62-jährige Musiker mit seiner dritten Ehefrau Silvia und den beiden Kindern Jan und Annalena in Münster. Ein erstaunlicher Weg, der mit der Kindheit in Berlin-Wedding beginnt, aufgezogen von einer Pflegemutter. Nach der Lehre zum Lebensmittelkaufmann zunächst als Postangestellter, dann als Werbeleiter in einem Autohaus beschäftigt, war Gesang lediglich ein Hobby, mit dem sich Ronald Keiler, so Roland Kaisers bürgerlicher Name, in jungen Jahren ein Zubrot verdiente. Doch dann entdeckte ihn Anfang der 70er Jahre der Produzent Thomas Meisel. Nur kurze Zeit später stürmte Roland Kaiser die deutschen Charts, es folgte Hit auf Hit.
Ab dem Jahr 2000 litt Roland Kaiser an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die er 2009 in seinem Buch „Atempause“ eindrucksvoll thematisierte. Der Ratgeber mit biografischen Zügen erreichte sogar die Top 30 der „Spiegel“-Bestsellerliste. Ende Januar 2010 erklärte Roland Kaiser infolge des Fortschritts seiner COPD-Erkrankung seinen Abschied von der Live-Konzert-Bühne. Im Folgemonat unterzog er sich einer Lungentransplantation. Bereits neun Monate später gab er in der ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ sein Comeback. Im Juni 2011, startete er mit Vollgas mit seiner Comeback-Tournee durch.
MEDIZIN COMPACT-Chefredakteurin Petra Gessinger unterhielt sich mit „Mr. Sehnsucht“, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wird, nicht nur über dessen zweites Leben, seine Musik und über das kontrovers diskutierte Thema „Organspende“. Roland Kaiser verriet im Gespräch mit MEDIZIN COMPACT u. a. auch, wieso er in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne in die Luft geht, und dass es sein großer, noch unerfüllter Traum ist, mit seiner Frau Silvia eine Weltreise zu unternehmen.

MC: Wie war damals vor 15 Jahren Ihre erste Reaktion, als Sie die Diagnose COPD erhielten – gerade im Hinblick als langjähriger Raucher?

Roland Kaiser: Seit dem Tag der Diagnose COPD habe ich keine Zigarette mehr angefasst. Heute verlasse ich einen Raum, wenn jemand darin raucht. Denn wer geht schon in ein brennendes Haus, um frische Luft zu schnappen?

Vor 15 Jahren: Diagnose COPD

MC: Trotz der Diagnose COPD gaben Sie noch neun Jahre lang umjubelte Live-Konzerte mit Tausenden von Besuchern. Rückblickend vor allem auf das körperlich sehr anstrengende Tourleben: Wie haben Sie dieses Pensum geschafft?

R.K.: Ich bin niemand, der mit einer Situation oder einem unvorhergesehenen Ereignis hadert.

Mich von der Krankheit unterkriegen lassen war für mich nie ein Thema.

Wie in meinem Ratgeber „Atempause“ beschrieben betrachtete ich die Krankheit als einen unausweichlichen Begleiter, aber nicht als etwas, was mein Leben künftig bestimmen darf. Diesen Raum habe ich meinem Handicap nicht eingeräumt. Wir hatten uns bestmöglich miteinander arrangiert. Ich habe Respekt vor jedem Einzelnen, der sich seinem persönlichen Handicap stellt und das Leben damit annimmt und bestmöglich gestaltet. Daher bin ich unter anderem als Botschafter der Solidarfonds Stiftung NRW tätig, der Albert-Schweitzer-Familienwerke, des Kinderhospiz Mitteldeutschland, der Rudolf Pichlmayr Stiftung sowie der DSO – Deutsche Stiftung Organtransplantation. Ich möchte mit meinem Engagement die Öffentlichkeit für Bereiche des Lebens sensibilisieren, die häufig leider ausgeblendet werden, weil sie unangenehm sind. Ich möchte dazu beitragen, Diskussionen und Hilfe anzustoßen und diese gesellschaftsfähig zu machen.

Wegschauen ist keine Lösung, man sollte sich Herausforderungen stellen.

MC: Ende Januar 2010 erklärten Sie Ihren Abschied von der Live-Konzert-Bühne. Sie unterzogen sich einer Lungen-Transplantation. Ab welchem Zeitpunkt nach diesem Eingriff wussten Sie, dass es gestärkt wieder ein Zurück auf die Bühne geben wird?

R.K.: Ich war irgendwie stets überzeugt davon, dass ich ins Berufsleben, dass ich auf die Bühne zurückkehren würde. Ein Organspender hat mir mein zweites Leben geschenkt, für das ich unfassbar dankbar bin.

Ich habe selber einen Spenderausweis und würde mir wünschen, dass sich viel mehr Menschen der Verantwortung fürs Leben stellen

und ihre Bereitschaft erklären, so viele Leben wie möglich zu retten.

MC: Die Organspende-Bereitschaft in Deutschland ist eher rückläufig. Dem stehen 12.000 Menschen gegenüber, die dringend auf ein Ersatzorgan warten. Wie kann man Ihrer Meinung nach den Anreiz erhöhen, einer Organspende zuzustimmen bzw. wie lässt sich das Image der Organspende verbessern?

R.K.: Durch umfassende Information. Wenn man nichts wirklich weiß, bilden sich Meinungen. Die öffentliche, mediale Diskussion des Themas Organspende überwiegend anhand von tragischen und in höchstem Maße verabscheuungswürdigen Negativbeispielen zu führen empfinde ich als verantwortungslos, leichtfertig und als mangelnde Information. Jeden Tag sterben Menschen, weil ein massiver Mangel an geeigneten Spenderorganen herrscht. Darunter unzählige Kinder, Unfallopfer, quer durch die Generationen, die sich nichts sehnlicher wünschen als die Chance, ihr Leben zu leben!

Die Chance auf Leben hat jeder Einzelne in der Hand, indem er sich für oder gegen einen Organspende-ausweis entscheidet.

MC: In unserer vorigen Ausgabe regten wir zur Diskussion „Organbereitstellung gegen Entgelt“ an. Wie denken Sie darüber?

R.K.: Das ist eine Frage der Ethik. Ökonomische Zwänge dürfen kein Maßstab für die Entscheidung zur Organspende sein. Jedes Leben ist gleich wertvoll und schützenswert.

MC: Voriges Jahr gingen Sie nach langer Zeit auch wieder mit Ihrer Band auf ausgedehnte Live-Tournee, Sie gastierten in 26 Städten. Allerdings nicht als Einzelkonzerte, sondern als achtwöchige Tour durch Deutschland und Österreich. Wie halten Sie sich körperlich und geistig fit?

R.K.: Früher war Sport für mich kein Thema, mittlerweile ist er fester Bestandteil meines Lebens. Regelmäßige Bewegung tut mir einfach gut.

Meine Zeit und Energie verwende ich nur auf Bereiche, die mir wirklich wichtig sind.

Dabei achte ich darauf, dass Familie und Beruf in der Balance bleiben. Ich habe gelernt, auch mal Nein zu sagen, ich gehe mit 62 Jahren keine faulen Kompromisse mehr ein. Und ich ärgere mich nicht mehr über Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann und konzentriere mich auf die positiven Aspekte und konstruktiven Perspektiven. Das fühlt sich extrem gut an!

MC: Sie haben Ihre Leidenschaft – die Musik – zu Ihrem Beruf gemacht. Welchen alternativen Berufsweg wären Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegangen, wenn Sie nicht Anfang der 70er Jahre entdeckt worden wären?

R.K.: Ich wäre als junger Mensch gerne Pilot geworden. Heute habe ich eine Privatpilotenlizenz und erfülle mir meinen Traum in der Freizeit. Ich kann beim Fliegen wunderbar entspannen. Reinhard Mey besingt es sehr treffend: „Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“

Städte und Landschaften aus der Vogelperspektive zu betrachten bringt eine ganz eigene Schönheit zur Geltung.

Man betrachtet alles mit mehr Abstand. Dazu diese Weite – das genieße ich sehr.

MC: Ihr brandneues Album trägt den Titel „Seelenbahnen“. Was ist damit gemeint?

R.K.: „Seelenbahnen“ sind symbolisch genommen die Wege, die wir in unserem Leben eingeschlagen haben.

Jede Falte in unserem Gesicht ist so eine „Seelenbahn“, die von unserem Leben erzählt.

Lachfalten, Sorgenfalten, Zornesfalten, Denkfalten … und die ein oder andere Narbe, die wir auf unserem Lebensweg bereits davon getragen haben. Manchmal laufen wir in ewig gleichen, ausgefahrenen Rillen, zuweilen suchen wir die Herausforderung und Veränderung, wir fassen Mut, und uns gelingt der Blick über den eigenen Tellerrand. Dann entdecken wir neue Pfade.

 

Lesen Sie auch die Fortsetzung des Gesprächs mit Roland Kaiser

 

Weitere Infos unter:

www.roland-kaiser.de
www.facebook.com/RolandKaiserOffiziell

Erleben Sie Roland Kaiser live!
26.07. Rostock, IGA Parkbühne
08.08. Spremberg, Freilichtbühne
16.08. Schwerin, Freichlichtbühne
22.08. Wittenberge, Alte Ölmühle
23.08. Wolgast, Schlossinsel
12.09. Ralswiek/ Rügen
01., 02. + 09.08.14 KAISERMANIA in Dresden, Am Elbufer

Die große Roland Kaiser-Tour startet Mitte April 2015.

Termine unter www.semmel.de

Der beliebte Schlagersänger engagiert sich sozial, und besonders gerne für Kinder.

Im Jahr 2012 wurde ihm u. a. der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.
Erschien am 30. Mai: „Seelenbahnen“, das neueste Album von Roland Kaiser

 

Fotos: Stefan Flad, Paul Schirnhofer