01_WaalkesMit einem Kasperl-Theater im beschaulichen Emden fängt alles an: der Vater, von Beruf Malermeister, baut seinem damals achtjährigen Sprössling namens Otto Gerhard den Rahmen für seine ersten Auftritte im heimatlichen Garten.

Zum Eintrittspreis von fünf Pfennig unterhält Klein Waalkes, ausgerüstet mit einer alten Zither und Handpuppen, die ersten Zuschauer. Bis heute bringt der wohl berühmteste Ostfriesen-Export nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Der heute 66-Jährige blickt zurück auf mehr als 30 Jahre Bühnenerfahrung, Spitzenquoten im Fernsehen, zehn erfolgreiche Kino-Filme und unzählige Auszeichnungen wie mehrere Bambis, den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Comedypreis. Und im vorigen Jahr wurde ihm das „Große Verdienstkreuz“ des Landes Niedersachsen verliehen.

Begründung:„ Otto Waalkes hat dazu beigetragen, daß die Deutschen viel lockerer geworden sind

Es bedarf allerdings schon ein wenig mehr als einfach nur herumzublödeln. Ottos Humor basiert hauptsächlich auf einem Mix aus Kalauern und Wortspielen, Geräuschen und Körpersprache sowie gezielt eingesetzter Situationskomik. Oder, um es mit Ottos eigenen Worten zu beschreiben: „Nonsens ist kein reiner Schwachsinn, es ist verweigerter Sinn.“ Jahrzehntelange Inspiration lieferte da sicherlich die innige Freundschaft und kreative Zusammenarbeit mit den Blödel-Revoluzzern und Mitgründern des Satireblatts „Titanic“ Robert Gernhardt, Pit Knorr und Bernd Eilert. Mit ihren infantilen Reimen und bisweilen sinnfreien Nonsens-Sprüchen ebneten sie Kumpel Otto den Weg zum beliebten Volkskomiker.Aber Otto ist noch viel mehr als der Witzemacher der Nation: als Musiker, Synchronsprecher, Schauspieler, Regisseur, Maler und Comiczeichner beweist dieser die vielen Facetten seines Könnens. Manager Hans Otto Mertens, seit mehr als 40 Jahren Ottos Freund und Vertrauter, bringt es während des Gesprächs mit MEDIZIN COMPACT auf den Punkt: „Otto ist ein Genie!“ Die Bürowände im Rüssel Musikverlag auf der Hamburger Uhlenhorst sind nicht nur gepflastert mit Gold- und Platin-Schallplattenauszeichnungen seines Schützlings.

Der tatsächliche Blickfang zwischen Wintergartentür und Schreibtisch ist ein großformatiges, sehr bekanntes Gemälde namens „Nighthawks“ (engl. umgangssprachlich = „Nachtschwämer“): die sicherlich berühmteste Nachtbar der Welt.An Mertens Bürowand hängt aber nicht das Original von Edward Hopper, sondern – viel origineller – die höchstpersönlich von Otto gemalte Interpretation: an der Theke sitzen Ottifant, Sid (das Faultier aus der Filmserie „Ice Age“) und natürlich … Otto himself. Diese Philosophie scheint auch gut für die Gesundheit zu sein, denn der beliebte Comedian hatte noch nie ernsthafte, gesundheitliche Probleme. Kein Wunder also, daß auch Chefredakteurin Petra Gessinger die Begegnung mit Otto richtig Spaß machte:

MC: Das Titelthema unserer aktuellen MEDIZIN COMPACT-Ausgabe lautet „Schluß mit Mediziner-Latein“ und handelt u. a. davon, daß eine gute Arzt-Patient-Beziehung nachweislich den Heilungsprozess fördert. Verstehen Sie immer, was Ihr Arzt zu Ihnen sagt? Befolgen Sie dessen Ratschläge?

Otto Waalkes: Na klar, ich mache täglich Radschläge. Und auch sonst verstehe ich mich mit Ärzten sehr gut!

MC: Männer werden landläufig gerne als „Ärzte-Muffel“ bezeichnet. Gehen Sie regelmäßig zum Arzt?

O.W.: Der letzte Arzt, den ich sah, sagte: „Herzlichen Glückwunsch, Frau Waalkes! Es ist ein gesunder… Otto!“

MC: Eine gesunde Lebensführung geht Hand in Hand mit „gesunder Ernährung“ oder vereinfacht gesagt: „Du bist, was Du ißt“. Was kommt auf Ottos Teller – und was ganz bestimmt nicht?

O.W.: Wenn man ist, was man ißt, dann bin ich wohl ein Matjes!

MC: Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt den Verzehr von mindestens 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst pro Tag. Halten Sie sich daran?

O.W.: Ich liebe Gemüse und Obst! Das ist so schön bunt. Am liebsten frisch, gedünstet zu Fisch oder morgens im Smoothie. Perfekt!

MC: Auf Ihrer letzten Tournee „Geboren um zu blödeln“ im vorigen Jahr absolvierten Sie 80 Auftritte in 60 Städten und dies innerhalb von 20 Wochen! Wie halten Sie sich bei diesem Pensum körperlich und geistig fit?

O.W.: Na genau dieses Pensum hält mich doch fit! Täglich springen, laufen, hüpfen… Und unterschätzen Sie das Gitarrespielen nicht!?

MC: Wieviel Stunden Schlaf benötigen Sie – und wieviel gönnen Sie sich tatsächlich?

O.W.: Ach, wenn es hell wird, werde ich ohnehin wach. Ich bin da wie ein Gänseblümchen.  So beginntder perfekte Otto-Tag: „Aufstehen, Zähneputzen, duschen, anziehen -und dann ab nach Hause!“

MC: Treiben Sie Sport, und wenn ja, welchen?

O.W.: Ich gehe auf Tournee und gebe Autogramme. Wenn das irgendwann mal olympisch wird, schlägt meine große Stunde!

MC: Demenz, Herzinfarkt, Karzinome … welche Krankheit flößt Ihnen den größten Respekt ein?

O.W.: Ich respektiere jede Krankheit. So, wie die meine Gesundheit respektieren. Ich freue mich jeden Tag, daß ich gesund bin.

MC: Seit Jahrzehnten hüpfen Sie sich glucksend und jodelnd, mit einem fröhlichen „Hollederidi“ auf den Lippen und einer Gitarre am Arm, in die Herzen der Deutschen. Würde Otto sein eigenes Herz – oder gar ein anderes Organ – an einen Fremden verschenken?

O.W.: Ich finde das absolut selbstverständlich, daß man seine Organe weiterreicht, wenn man sie selbst nicht mehr braucht.

MC: Einem SPIEGEL-Journalisten verrieten Sie vor einiger Zeit, daß Sie „bei aufkeimender Depression am liebsten zur Gitarre greifen“. Ist auch Otto einfach nur ab und zu nachdenklich, oder müssen wir uns Sorgen um Sie machen?

O.W.: Ich hatte großes Glück und war nie ernsthaft krank. Auch nicht psychisch, auch nie depressiv. Ob das wohl am Gitarrespielen liegt? Da müssen Sie einen Arzt fragen.

MC: Otto bringt seit Jahrzehnten Jung und Alt zum Lachen. Was zaubert Ihnen ein Lächeln ins Gesicht bzw. wer oder was kann Sie so richtig erheitern?

O.W.: Die Freude anderer Menschen macht mich glücklich. Und malen. Und Musik machen. Und ostfriesische Krabbenbrötchen.

MC: Und mit was kann man Ihnen eine Freude bereiten?

O.W.: Das mit dem Krabbenbrötchen war schon ernst gemeint. Haben Sie eins da?

MC: Sie gründeten vor über 40 Jahren (1973) Ihr eigenes Label namens „Rüssl Räckords“, da damals keine Plattenfirma die Live-Mitschnitte Ihrer Konzerte veröffentlichen wollte. Trotz Absagen hielten Sie demnach unerschütterlich an Ihren Zielen fest. Welchen Rat können Sie heute jungen Menschen für deren Lebensweg geben?

O.W.: Ihr müsst gar nicht so gut in Mathe sein, wie immer alle behaupten. „Habt Spaß an dem, was Ihr macht, dann könnt Ihr andere auch dafür begeistern!“

¢ Lebenskünstler Otto Waalkes: Er lebt im Hier und Jetzt, und tut nur das, was ihm auch Spaß macht.

(Fotos: Rüssl Musikverlag GmbH)