Nina Ruge im Interview mit Petra Gessinger

Der Startschuss fiel 1989 mit dem ZDF im „heute journal“. Dann ging es Schlag auf Schlag und parallel dazu: „heute Nacht“, 3-Sat „Ruge.19zehn“ und schließlich „Leute heute“ – das 15-minütige Boulevardmagazin, ebenfalls im Zweiten.

Wer kennt sie nicht, diese hochgewachsene, blonde und attraktive Moderatorin, die mit Charisma und Kompetenz in unterschiedlichsten Gesprächssituationen ihr großes Einfühlungsvermögen unter Beweis stellt. Die Rede ist von Nina Ruge, einer der wohl bekanntesten TV-Moderatorinnen in Deutschland.

„Alles wird gut“ – ihr Spruch wurde Kult…

„Alles wird gut“ – ihr Spruch wurde Kult… und machte sie selbst berühmt. Die ganze Republik wartete ab Ende der 90-er Jahre sehnsüchtig auf diese liebevolle Aufmunterung am Schluß ihrer Sendung.

Auf 25 Jahre TV-Präsenz blickt Nina Ruge zurück. Sie moderierte 20 Jahre jeden Tag Live-Sendungen, Galas, Kongresse und Talkrunden in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Politik. Parallel dazu hat sie mehr als ein Dutzend Sachbücher, Romane und Anthologien geschrieben. Seit 2008 moderiert sie die Talkshow „Unter 4 Augen“ im Bayerischen Fernsehen, zu sehen jeden Sonntagnachmittag um 16.15 Uhr.

Privat ist sie seit 2001 mit dem Manager und Linde AG-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Reitzle verheiratet und pendelt – stets ihre beiden Schweizer Sennenhunde Vroni und Lupo im Gepäck – zwischen Bayern und dem Zweitdomizil in der Toskana hin und her.

Nina Ruge mit ihren HundenDarüber hinaus engagiert sich die 56-jährige Medienfrau auch für soziale Belange. Bereits seit 1997 ist sie UNICEF-Repräsentantin, im Jahr 2012 wurde sie zur offiziellen UNICEF-Botschafterin Deutschlands ernannt. Sie ist in zahlreichen sozialen Ehrenämtern aktiv, u. a. auch als Schirmherrin für das „Netzwerk von und für Frauen mit Behinderung in Bayern“ sowie als Botschafterin für das Themenjahr 2013 „Selbstbestimmt dabei. Immer“, einer Initiative der Antidiskriminierungsstelle der Bundesregierung.

Bleibt bei einem solchen Pensum noch genügend Raum für eine optimale, gesundheitserhaltende Work-Life-Balance? MEDIZIN COMPACT-Chefredakteurin Petra Gessinger unterhielt sich mit der beliebten TV-Lady angeregt über eine gesunde Lebensführung, die heilende Kraft der Stille und über ihre Liebe zu Hunden.

MC: Auch nach der „Leute heute“-Ära, die Sie im Jahr 2007 selbstbestimmt beendet haben, sind Sie als Journalistin, Fernsehmoderatorin und Buchautorin sehr erfolgreich und viel beschäftigt. Ein prall gefüllter Terminkalender kann aber auch seine Schattenseiten haben. Kennen oder kannten Sie auch diese typischen kleinen Befindlichkeitsstörungen, die immer wiederkehrend für Unwohlsein sorgen?

Nina Ruge: Meine Schwachpunkte sind Haut und Ruhepuls. So viele Jahre wenig Schlaf und sehr viel leidenschaftliche Wirbelei haben natürlich ihre Auswirkungen gehabt: meine Haut hat sich gegen die tägliche Schminkerei zur Wehr gesetzt, in Form einer perioralen Dermatitis – und mein Puls ist bis heute so sensibel wie eine Waldfee. Schon beim Aufstehen schnellt er gerne auf 120… Dass ich die jahrzehntelange Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung so gut gemeistert habe, liegt sicher an meiner konsequenten Ernährung: weitgehend vegetarisch, kein Weißmehl etc. Dazu regelmäßiger Sport wie Yoga, Joggen, Schwimmen, und mein ständiges Bestreben, in innerer Harmonie zu leben – wie sehr es außen auch stürmen mag…

MC: Wann wurde Ihnen das Thema „gesunde Lebensführung“ das erste Mal richtig bewußt? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Je größer die alltägliche Belastung wurde, desto bewusster wurde mir, dass ich das nur durchstehe, wenn ich pfleglich mit mir umgehe.

Nina Ruge: Mit Anfang 40 habe ich in meinem Münchner Internisten Dr. Knobloch einen wunderbaren Lehrmeister gefunden. Ernährung, Flüssigkeitsmenge, Sport, Nahrungsergänzung – mit ihm habe ich damals mein Programm zusammengestellt und es konsequent befolgt. Es ging wahnsinnig einfach, denn ich spürte sofort, wie gut mir das tat. Nur einen Rat habe ich nie befolgen können: ausreichend zu schlafen. Heute gönne ich mir sieben bis acht Stunden pro Nacht – und das ist tatsächlich eine andere Welt…

Nina Ruge "Das Geheimnis der Selbstheilung!MC: Sie haben zum Thema „Immunsystem“ bereits im Jahr 2007 gemeinsam mit dem bekannten Münchner Immunologen Dr. Lutz Bannasch ein sehr interessantes Buch geschrieben: „Das Geheimnis der Selbstheilung, Wege zu einem starken Immunsystem“. Das Buch informiert den Leser sehr anschaulich darüber, inwiefern das Netzwerk unserer Gesundheit dem Zusammenspiel unserer Gene, unserer Psyche, unserer Hormone sowie unserer Ernährungs- und Lebensweise unterliegt. Unserem Immunsystem als Wächter unserer Gesundheit wird dabei großes Augenmerk geschenkt.

Beim Lesen des Buches erwächst zunehmend die Erkenntnis: „Hauptsache glücklich, dann klappt‘s auch mit der Gesundheit.“ Wie sehen Sie das persönlich?

Innere Anspannung und Kraftverschwendung für Frust-Verdrängung: das sind sicherlich zwei Killer für das Immunsystem.

Nina Ruge: Doch innere Ausgeglichenheit allein reicht natürlich nicht – wenn ich mich ansonsten von Schweinshaxe und Schnaps ernähre. Die Psycho-Neuro-Immunologie zeigt uns sehr nüchtern den Zusammenhang zwischen Stress- Cortisol-Spiegel und Schwächung des Immunsystems auf – doch wir Menschen sind perfekt dazu in der Lage, es auch auf andere Weise schachmatt zu setzen. Ein gesundes Immunsystem will rundum gepflegt sein!

MC: Das Stichwort „gesunde Lebensführung“ geht meistens fließend in das Thema „gesunde Ernährung“ über. Hierzu heißt es ja landläufig „Du bist, was Du isst“. Sie persönlich jedoch zitieren da lieber Cicero: „Wie Du gesät, so wirst Du ernten“…

Nina Ruge: Viele Menschen sind erstaunlich inkonsequent: Sie kaufen im Bio-Laden und brunchen am nächsten Tag mit Bratwurst und Speck. Sie schwören auf Diät-Margarine und ziehen sich große Stücke Obsttorte rein.

Zur gesunden Ernährung gehört sehr viel Wissen um Ernährung, zum Beispiel über die Rolle der Kohlenhydrate im Insulinstoffwechsel, und über die Bedeutung von Ballaststoffen.

Ein Bircher-Müsli enthält Unmengen von Kohlenhydraten und Fetten – aber kaum Ballaststoffe. Viele meinen aber, das sei nun gerade der Gipfel der gesunden Ernährung. Ein basisches Körnerfrühstück ohne Weizen, ohne Trockenfrüchte und mit Wasser zubereitet sieht da ganz anders aus in der Bilanz. „Wie du gesät, so wirst du ernten“.

MC: Als Buchautorin beschäftigen Sie sich neben Gesundheitsthemen auch mit der Philosophie. In Ihrem 2010 erschienenen Büchlein „Stille – Balsam für die Seele“ (Anm. der Redaktion: leider nur noch antiquarisch im Handel erhältlich) machen Sie sich stark für Stille als heilsame Kraft.

Welche Tipps haben Sie für unsere Leser, um in unserer hektischen Zeit der Stille wieder mehr Raum zu geben?

Nina Ruge: Wir haben uns unausgesprochen auf eine seelische Amputation geeinigt: Nur das darf existieren, was wir auch mit Worten benennen können. Alles andere gehört ins Reich des Hokuspokus, der Esoterik.

Stille kann uns den Weg zeigen in eine Dimension jenseits der Begrifflichkeit, jenseits des Worte-Denkens.

Sie kann uns lehren, was Khalil Gibran so wunderbar formulierte: „Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die durch die Karawane des Denkens niemals erreicht werden kann.“ In der Stille können wir lernen, dieses Vertrauen zu entdecken und zu trainieren. Das Vertrauen in die Kraft des Seins und die Bedeutung der Liebe als Quelle in jedem von uns. Dieses Vertrauen schützt uns vor Angst, vor Getriebenheit, vor Egozentrismus und dem Gefühl, Opfer zu sein.

Doch wie gesagt: Entdecken kann das jeder nur für sich allein – jenseits von Worten – und in der Stille.

Nina Ruge im Spiel mit ihren HundenMC: Ebenfalls gesundheitsfördernd und somit gut fürs Immunsystem sind Haustiere. Inzwischen eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen, wirkt die bloße Anwesenheit von Vierbeinern wohltuend harmonisierend auf uns Menschen. Schmusen mit Bello ist also heilend für unser Immunsystem.

Vor knapp fünf Jahren sind auch Sie auf den Hund gekommen. Dies hat Sie u. a. auch veranlasst, zusammen mit dem bekannten Kynologen Günther Bloch ein Buch zu schreiben: „Was fühlt mein Hund? Was denkt mein Hund?“ Was sind denn die Gründe, weshalb der Hund Ihr Herz im Sturm erobert hat?

Nina Ruge: Hunde sind radikale Gegenwärtigkeit – die mit uns kommuniziert. Natürlich ist jeder Zipfel der Natur „radikale Gegenwärtigkeit“, deshalb tut sie uns auch so gut. Doch Hunde servieren uns ihr Sein im Jetzt auf dem Silbertablett, weil sie eine so tiefe Bindung zu uns aufbauen – und umgekehrt. Günther Bloch erforscht seit 20 Jahren das Sozialverhalten von freilebenden Wölfen in Kanada. Und seine erstaunliche Beobachtung: Wölfe kommunizieren im Rudel sehr stark mittels Emotionen – was sie sehr erfolgreich sein lässt.

Hunde kennen Empathie, sie kennen Trauer und sogar bestimmte Formen von Liebe. Und genau auf dieser Ebene kommunizieren wir mit unseren Vierbeinern am erfolgreichsten. „Sitz!“, „Platz“ und „Bleib“ sind nette Kommandos, die das Zusammenleben erleichtern. Aber das Oxytocin, das in uns sprudelt, wenn wir mit unserem Hund kuscheln – oder das Dopamin, das beim gemeinsamen Toben in uns beiden ansteigt: das ist tiefes Glück und schenkt uns entspannte Gesundheit!

MC: Erlauben Sie mir am Ende unseres Gesprächs einen bekannten NDR-Moderator zu zitieren: „Nina Ruge, früher auf dem roten Teppich, heute auf der grünen Wiese…“ Inwiefern trifft diese Aussage zu bzw. inwiefern hat sich die Nina Ruge im Vergleich zur damaligen Zeit persönlich verändert?

Nina Ruge Was fühlt mein HundNina Ruge: Journalisten lieben Schubladen. Aber ich passte nie in „die eine Schublade“ rein, war immer parallel auf vielen Baustellen unterwegs: politische Talkshow, „Alles-wird-Anthologien“, UNICEF-Engagement, Tele-Zoo-Moderation – und People-Berichterstattung. Will heißen: Ich war nie die „Rote-Teppich-Lady“ – sondern ich habe neben vielem anderen mit großer Leidenschaft eine Sendung fürs ZDF aufgebaut, die respektvoll über das informierte, was wir als „soft news“ bezeichnen.

Allerdings haben die täglichen Sendungen über 20 Jahre nur wenig Raum für ein naturnahes Leben gelassen. Weder die Toskana noch ein Hund passte ordentlich in meinen Terminkalender rein. Beides darf ich heute leben – und bin sehr, sehr dankbar dafür.

Fotos: Gräfe und Unzer Verlag