03_1_GolferellenbogenFDM kann helfen

Entgegen landläufiger Auffassung hat der Tennis-Ellenbogen nicht zwingend etwas mit Tennisspielen zu tun. 90 Prozent der Fälle werden gar nicht durch Sport ausgelöst. Vielmehr sind sportfremde Aktivitäten der Auslöser für die gefürchteten, oftmals sehr lange andauernden und vor allem sehr schmerzhaften, körperlichen Einschränkungen von Arm oder Fuß: beispielsweise eine falsche Armhaltung beim Schreiben, zu langes Sitzen vor dem Computer inklusive Bedienen der „Maus“, stundenlanges Schrauben beim Möbelaufbau oder ganz einfach nur Rasenmähen.

Wie schmerzhaft eine Fehl- bzw. Überlastung sein kann, wissen Betroffene am besten. Sie beschreiben einen stechenden bis ziehenden Schmerz im Ellenbogengelenk, der so stark in die Hand ausstrahlen kann, daß das Heben einer Kaffeetasse oder gar simples Händeschütteln unmöglich werden. Die Schulmedizin behandelt beispielsweise einen Tennisarm zunächst konservativ. Gängige Kälte und Wärme-Anwendungen, Verbände mit schmerzlindernden bzw. entzündungshemmenden Salben aber auch die Gabe von Cortison-Spritzen gelten als sog. Klassiker. Manchmal kommt auch eine Stoßwellentherapie mit Ultraschallimpulsen zum Einsatz. Hilft dies alles nichts und klagt der Patient auch Monate später über Gelenk-, Sehnen- oder/und Muskelschmerzen, bleibt eigentlich nur noch eine Operation. Doch soweit muß es nicht kommen! Als alternative Behandlungsmethode bietet sich bei dieser Art von Schmerzen das Faszien-Distorsions-Modell an.

MEDIZIN COMPACT fragte nach bei Faszien-Expertin Dr. Sabine Bleuel, Fachärztin für Orthopädie, Unfallchirurgie und Handchirurgie aus Hamburg, Mitglied im ärztlichen Fachbeirat von MEDIZIN COMPACT.

MC: Handelt es sich bei Rückenschmerzen in Wirklichkeit um Faszienschmerzen?

Dr. Sabine Bleuel: Schmerz ist immer eine Warnung. Der Körper gibt ein Signal ab, um ihn vor Gewebsschäden und Funktionsstörung zu schützen. Schmerzen können unterschiedlichste Ursachen haben. Betrachten wir den klassischen Rückenschmerz, so ist bekannt: 85 Prozent aller Rücken- oder Gelenkschmerzen haben eine funktionelle Ursache und sind weitgehend auf Faszienstrukturveränderungen zurückzuführen.Die Rückenfaszie besitzt wie unsere Sinnesorgane Augen, Nase, Ohren und Haut eine hohe Dichte an Sinnesrezeptoren in Form von Nervenendigungen und Rezeptoren mit einer geringen Reizschwelle. Ist die Rückenfaszie verklebt, verhärtet oder verdreht, können ziehende Schmerzen auftreten bis zu dem typischen Nacken-, Ischiasschmerz oder Hexenschuss.

MC: Wie verhält es sich beim allseits gefürchteten Muskelkater? Ist das dann richtigerweise ein Faszien-„Kater“?

Dr.S.B.: Der klassische Muskelkater ist eine Kombination aus Muskel- und Faszienschmerz.

Um die Wichtigkeit des Organs Faszie hervorzuheben, könnte man von einem „Faszienkater“ sprechen. Da Muskeln und Faszien aber in sich eine verwobene Einheit bilden, sind beide Organe betroffen. Sportverletzungen sind in den meisten Fällen auf Fasziendistorsionen zurückzuführen. Selten findet sich ein wirklicher Muskelfaserriss.

Dr. Sabine Bleuel

Dr. Sabine Bleuel

MC: Wie können lädierte Faszien behandelt werden?

Dr.S.B.: In einer Faszien-Therapie werden, je nachdem, welche Partien der Patient als schmerzhaft empfindet, Verklebungen an Triggerbändern gelöst oder aber die Übergangsregionen von Knochen zu Muskeln durch Druck auf einzelne Bereiche stimuliert (Kontinuumdistorsion). Spezielle Faszientherapien wie das Fasziendistorsionsmodell und Triggerpunkttherapien helfen, das Fasziengewebe wieder zu glätten, das Zusammenspiel der Muskulatur zu regulieren, den Muskeltonus zu senken und damit die Schmerzen zu reduzieren.

MC: Was kann ich selbst für gesunde Faszien tun?

Dr. S.B.: In Eigentherapie bedarf es einer regelmäßigen Faszienpflege, um neuen Beschwerden vorzubeugen. Hierfür eignen sich Sportarten, die den gesamten Körper beanspruchen wie Yoga, Pilates, Tanzen oder Übungen mit einer Faszienrolle. Klassisches Ausmassieren des Fasziengewebes fördert die Revitalisierung, verglichen mit einem Schwamm, der sich mit Flüssigkeit füllt. Dazu, als ideale Ergänzung für zuhause: Regelmäßige Übungen mit der Faszienrolle. Das trainiert die Sensomotorik, Mobilität und Stabilität des Körpers.

(Foto: Printemps, fotolia.de)