Bauchfell Die sanfte Therapie

Diagnose Bauchfellkrebs. Die Diagnose einer Peritonealkarzinose – ein in der Regel flächiger Befall des Peritoneums (Bauchfells) mit bösartigen Tumorzellen – gehört zu den größten Herausforderungen in der Medizin. Denn diese Art von Karzinome lassen sich meist nicht operativ entfernen und können auch nicht mit herkömmlichen Chemotherapie-Methoden behandelt werden. Aus diesem Grunde gilt Bauchfellkrebs weitgehend als unheilbar.

Der Hintergrund: Zytostatika (das sind meist synthetische Substanz, die das Zellwachstum und die Zellteilung bei einer Krebserkrankung hemmen sollen), wirken hauptsächlich in gut durchbluteten Organen. Da das Bauchfell allerdings vergleichsweise schlecht durchblutet ist, gelangt die chemische Substanz in nicht ausreichender Dosierung an die Krebszellen und kann diesen folglich auch nichts anhaben.

Eine völlig neuartige Art von Chemotherapie könnte die Lösung sein.

Prof. Dr. Marc-André Reymond vom Marienhospital Herne hat mit der Druck-Chemotherapie eine komplette Rückbildung der Tumore bei Bauchfellkrebs erzielt.

Prof. Dr. Marc-André Reymond – vom Marienhospital Herne hat mit der Druck-Chemotherapie eine komplette Rückbildung der Tumore bei Bauchfellkrebs erzielt.

Bei diesem als PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) bezeichneten Verfahren wird der gleiche Wirkstoff wie bei einer herkömmlichen Chemotherapie verwendet.

Verabreicht wird sie jedoch auf eine völlig neue Weise: die Behandlung erfolgt minimalinvasiv, das heißt: mittels zweier kleiner Einschnitte in der Bauchdecke wird über eine Mikropumpe das Zytostatikum als feiner Dampf unter Druck in die Bauchhöhle geblasen, wo es in das kranke Gewebe gedrückt wird.

Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe besser an die Tumore. Zudem sind nur zehn Prozent der üblichen Chemotherapie-Dosis erforderlich. Auch die sonst nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen sind bei dieser Therapieform sehr gering.

„Wir haben festgestellt, dass es in Einzelfällen zu einer Rückbildung des Bauchfellkrebs gekommen ist“, berichtet Prof. Dr. Marc-André Reymond, Chirurg im Marienhospital Herne (Klinikum der Ruhr-Uni Bochum).

Er hat diese neue Therapieform an Krebspatienten als individuellen Heilversuch bei Patienten angewendet. Die bisher erzielten Ergebnisse lassen hoffen:

Bereits bei vier Patienten, deren Krankheitsbild keinerlei Chancen auf Heilung mehr zuließ, konnte eine komplette Rückbildung der Tumore mit der PIPAC-Therapie erzielt werden

berichtet Prof. Reymond.

Vermag die Druck-Chemotherapie Leben zu verlängern? Sicher kann dies noch nicht behauptet werden. Deshalb ist nun eine Studie mit 50 Personen geplant, die nachweisen soll, dass die PIPAC-Therapie für Bauchfellmetastasen geeignet ist und somit tatsächlich Leben verlängern kann. (PG)

Weitere Informationen zu Bauchfellkrebs

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dirk Strumberg – Direktor Medizinische Klinik III – Hämatologie/Onkologie
Prof. Dr. Marc-André Reymond – Abteilungsleiter Spezielle Onkologische Chirurgie
Prof. Dr. med. Clemens Tempfer – Direktor der Klinik für Gynäkologie

Adresse:
Marienhospital Herne
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Hölkeskampring 40
44625 Herne
Telefon: 02323 499-0
Internet: www.marienhospital-herne.de
E-Mail: bauchfell@marienhospital-herne.de

Informationsmaterial
Broschüre vom Marienhospital Herne: Interdisziplinäre Therapie für Bauchfellkrebs (PDF)
Fernsehbericht vom NDR: Druckchemo: Neue Waffe gegen Bauchfellkrebs?   (NDR.de)