Deutscher Medienpreis Depressionshilfe

(Von li. nach re.:)
Stiftungsvorsitzender Prof. Ulrich Hegerl, Petra Gessinger, zwei Preisträger des Medienpreises Depressionshilfe 2015 und Stiftungs-Schirmherr Harald Schmidt

Sie ist zu Gast bei knapp fünf Millionen Deutschen im Jahr. Ihr ungebetener Besuch wird zumeist schamhaft verschwiegen. Wer hätte geahnt, dass auch Robin William sich ihrer nicht erwehren konnte?

Die Rede ist von der Depression.

Seit dem Suizid von Robert Enke wird offener über diese Erkrankung gesprochen. Doch kaum einer erzählte bislang so ungeschminkt von seinem Umgang mit der Depression wie der Kabarettist, Poetry-Slammer und Blogger Tobi Katze, alias Tobias Rau. Sein Internet-Tagebuch auf stern.de „dasgegenteilvontraurig zog eine große Presserelevanz nach sich. 

Kein Wunder also, dass der 34-jährige Autor  auch beim 3. Deutschen Patientenkongress Depression am 12. und 13. September in Leipzig deutlich Flagge zeigte – mit einer eigenen Poetry-Performance auf der Bühne, Presse-Interviews aber auch im Austausch mit Mit-Betroffenen. Und sogar bei der im Rahmen des Kongresses stattgefundenen Verleihung des 2. Deutschen Medienpreis Depressionshilfe wurde er mit auf die Bühne gerufen. Denn seine Story war bei gleich drei der Medien-Preisträger Thema (Jugendradio Puls/BR, db mobil und Eins Plus). Jurorin und Medizin Compact-Chefredakteurin Petra Gessinger wertete dies als wichtige frühzeitige wie nachhaltige Aufklärungsarbeit gerade in der jungen Zielgruppe, um offener über die Krankheit zu sprechen statt schamhaft weg zu sehen. Denn, so die Jury: „Depression kann jeden treffen: Robin Williams, Tobi Katze, Sie und mich.“

Medienpreis Deutsche Depressionshilfe

Tobi Katze sprach vielen Betroffenen aus der Seele, nahm seine Krankheit ernst, aber mit Humor, machte Mut und  gab den Erkrankten beim Patientenkongress eine Stimme. Denn die Depression gilt als die große Rückzugskrankheit. Noch immer haben Erkrankte mit vielen Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen zu kämpfen, die sie nicht selten daran hindern, sich professionelle Hilfe zu holen.

Umso bemerkenswerter, dass sich rund 1.200 Betroffene und Angehörige – nochmal 200 mehr als in den Vorjahren – auf den Weg zum 3. Deutschen Patientenkongress Depression ins Gewandhaus zu Leipzig machten. Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, bezeichnete dies als „zentrales Element der Genesung“. Ein wichtiger Schritt also, um selbst aktiv zu werden  und „sich untereinander und mit Fachleuten auszutauschen und fachkundig über die Depression und deren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren“, wie es Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in seinem Grußwort auf den Punkt brachte.

Die Psychotherapeuten Nico Niedermeier und Tim Pfeiffer-Gerschel rieten den Teilnehmern in ihrem Vortrag gar zu „Experten ihrer Erkrankungen“ zu werden – aber sich dabei von professioneller Seite Unterstützung zu holen.

„Denn Depression ist kein Zeichen von Schwäche, 

sondern eine ernstzunehmende Erkrankung“,

betont Priv.-Doz. Dr. Christine Rummel-Kluge, Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Aber je mehr jeder Einzelne über die Krankheit weiß, desto besser kann er damit umgehen“, fügt der Stiftungs-Vorsitzende Prof. Dr. Ulrich Hegerl hinzu.

Die mittlerweile zweitägige Veranstaltung wird veranstaltet von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen DepressionsLiga e.V., die bundesweit aktive Patientenvertretung für an Depression erkrankte Menschen. Kooperationspartner ist die Deutsche Bahn Stiftung.

Unterstützt wird die Veranstaltung zudem von vielen Krankenkassen sowie Gesundheitsstiftungen. Zehn Vorträge (u.a. von Bestseller-Autor Dr. Manfred Lütz), 52 Workshops (vom Umgang mit der Depression am Arbeitsplatz oder im Alter bis hin zum Kinderwunsch bei Depression oder der Unterstützung durch Sport oder Angebote im Netz), Lesungen, musikalische Einlagen mit Trommel-Event, Kreativwettbewerb und Preisverleihungen für Forschungsprojekte und herausragende Medienbeiträge, eine Infostraße mit 30 Ausstellern sowie eine gemeinsamen Abendveranstaltung im legendären Ring-Café sorgten für ein vielfältiges, informatives wie unterhaltendes Programm – mit ausreichend Platz für Austausch und Vernetzung.

Dazu trug maßgeblich auch Tagesmoderator und Stiftungs-Schirmherr Harald Schmidt bei, der selbstironisch „endlich mal wieder über ein ausverkauftes Haus“ freute und die Herzen der Teilnehmer im Sturm eroberte, als er beim Kreativwettbewerb dem jüngsten Teilnehmer (11 Jahre) aus eigener (Hosen-)Tasche spontan drei Geldscheine drauf packte.

Stiftungs-Schirmherr Harald Schmidt moderierte in gewohnt launiger Art unterhaltsam durch den Kongressnachmittag.

Stiftungs-Schirmherr Harald Schmidt moderierte in gewohnt launiger Art unterhaltsam durch den Kongressnachmittag.

 

Der Deutsche Patientenkongress Depression ist aber immer wieder auch Anlass, um auf noch ungelöste Missstände und wichtige Botschaften rund um „eine der am meisten unterschätzten Volkskrankheiten unserer Zeit aufmerksam zu machen“, wie Thomas Müller-Rörich, Vorstandsvorsitzender der Deutschen DepressionsLiga beim Kongress betonte.

So mahnte Prof. Ulrich Hegerl angesichts der mehr als 10.000 Suizid-Opfern pro Jahr, die fast immer auf eine nicht optimale Behandlung von Depressionserkrankungen zurück gingen, die nicht hinnehmbaren Engpässe bei der ambulanten Versorgung an:

„Es ist inakzeptabel, 

dass Menschen mit schwerer Depression 

oft Wochen oder Monate warten müssen,

bis sie einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten bekommen.“

Und er machte klar: Selbst bei schwersten Erkrankungen wie Krebs sei die Selbstmordrate belegbar nicht höher als in der Kontrollgruppe, der Suizid also zumeist die Folge einer schweren zusätzlichen Depressionserkrankung. Daher müsse gerade auch bei assistierten Selbstmorden, wie in der Schweiz möglich, dringend ein Psychiaters in den Prozess hinzugezogen werden.

Aufgrund dieser angespannten Versorgungslage – vor allem in ländlichen Gebieten aber auch im gesamten Gebiet der neuen Bundesländer – wurden auf dem Patientenkongress einige effektive Methoden zur Selbsthilfe als Unterstützung vorgestellt. Gerade digitale Angebote gewinnen an Bedeutung und sollen helfen, Wartezeiten zu überbrücken:

 

Auch in diesem Jahr: großer Andrang und reges Interesse an dem angebotenen Kongressprogramm!

Auch in diesem Jahr: großer Andrang und reges Interesse an dem angebotenen Kongressprogramm!

INFO-Box:

 Neue App bietet Hilfestellung bei Depression!

Neben dem Online-Forum zum Erfahrungsaustausch für Betroffene und Angehörige unter www.deutsche-depressionshilfe.de/forum oder dem Forum speziell für junge Menschen ab 14 Jahren unter www.fideo.de steht seit längerem auch die E-Mail-Beratung der Deutschen DepressionsLiga zur Verfügung.

Neu hinzugekommen ist beispielsweise eine App, die den Schlaf von Depressionspatienten regulieren soll: Depressiv Erkrankte fühlen sich dauerhaft erschöpft. Deshalb neigen sie dazu, früher ins Bett zu gehen und länger liegen zu bleiben. Dies kann die Depression jedoch verstärken.  Zur Überraschung vieler Betroffener führt die Reduktion der Bettzeit hingegen zu einer deutlichen Besserung. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat nun eine App programmiert, die den Betroffenen bei der Kontrolle und Optimierung der Bettzeiten hilft.

Menschen mit leichten Depressionen können sich auch mit Hilfe des Selbstmanagement-Programms „iFightDepression“ umfassend über die Erkrankung informieren und sich aktiv an der Genesung beteiligen.

iFightDepression wird über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe speziell geschulten Ärzten und Therapeuten für ihre Patienten kostenfrei zur Verfügung gestellt. 

Mehr Informationen dazu unter www.deutsche-depressionshilfe.de.