Fröhlich durch dick und dünn: Susanne Fröhlich hier im Interview - garantiert kalorienfrei!

„Fröhlich durch dick und dünn“ ist Programm, und auch in ihrem neuesten Buch „Diät-Deutsch, Deutsch-Diät“ begegnet die Bestsellerautorin Diäten und Pfunden mit Humor. Susanne Fröhlich im Gespräch mit Chefredakteurin Petra Gessinger – unterhaltsam und garantiert kalorienfrei!

„Schlank, dünn, dürr“, so lautet die vermeintliche Zauberformel und das Ziel von Millionen heranwachsender Mädchen. Dieser „Size Zero“-Generation ist nahezu jedes Mittel recht, um dauerhaft schlank und schön zu werden. Dabei wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts weibliche Schönheit mit einem wohlproportionierten Körper gleichgesetzt: üppige Rundungen galten als attraktives Attribut von Gesundheit und Fruchtbarkeit. Heute – 100 Jahre später – definiert sich vor allem die westliche Wohlstandsgesellschaft vorrangig über ein möglichst niedriges Körpergewicht.

TV-Casting-Shows, Hochglanz-Modemagazine, Showstars und Modeschöpfer tragen maßgeblich zu diesem gesellschaftlichen Schönheitsbild bei. Und so wird der eigene Körper auf Teufel komm raus kasteit: mit Diäten, Sport und Skalpell. Aber… wo bleibt der Lebensgenuss? „Lebenslanger Diätenwahn ist Wahnsinn“ resümiert Bestseller-Autorin Susanne Fröhlich, gern gesehener Gast in Radio- und TV-Talkshows und Mutter von zwei Kindern im Gespräch mit Chefredakteurin Petra Gessinger.

Die beiden Journalistinnen unterhielten sich für MEDIZIN COMPACT angeregt über Sinn und Unsinn von Diäten, über Frauenquoten, über die Schwäche für köstliche Kohlenhydrate – und natürlich über das neueste Buch von Susanne Fröhlich: „Diät-Deutsch, Deutsch-Diät“.

MEDIZIN COMPACT: Frau Fröhlich, bereits vor Jahren sind Sie mit einem Bestseller über das unendliche Thema rund um die perfekte Figur quasi zur normalgewichtigen Heidi Klum der weiblichen Diät-Fraktion in Deutschland avanciert. Und jetzt wieder ein Buch zu diesem Thema. Was ist Ihr Ziel: Dolmetscherhilfe, wie man in den Kapiteln „Was gesagt wird & was gemeint ist“ vermuten könnte? Oder doch Entwicklungsarbeit in Sachen mentale Annäherung zwischen den nicht nur unter- und überkalorisch bedingten Gefühlsgräben von Schlanken und Dicken?

Susanne Fröhlich: Etwas von allem. Und noch etwas mehr: wir wollten dazu beitragen, diesen Diät-Wahnsinn einmal mit etwas Abstand zu betrachten – und damit etwas zur Entspannung beitragen. Wie man ja weiß: Diäten machen Stress – und Stress macht dick. Insofern ist das Büchlein irgendwie auch eine Abspeck-Maßnahme und eine diplomatische dazu.

Diät-Deutsch, Deutsch-Diät“ soll tatsächlich Beziehungen verbessern – allerdings vor allem die zwischen uns und unseren Pfunden.

MEDIZIN COMPACT: Sie selbst haben ja nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass auch Sie die gesamte Palette der Körpergrößen-Wechseljahre durchgemacht haben: von 90 kg bis 65 kg zeigte Ihre Waage alles an… Dazu Ihr entwaffnendes und überaus sympathisches Statement: Sie essen gerne und viel! Mal ganz ehrlich: mit welchem Gewicht haben Sie sich im Hinblick auf den damit verbundenen persönlichen Aufwand am allerwohlsten gefühlt?

Fröhlich: Irgendwas in der Mitte ist für mich persönlich am besten. Genau festlegen will ich mich nicht, ich kann zum Glück in jeder Gewichtsklasse glücklich sein!

MEDIZIN COMPACT: Auf mich wirkt Ihr neuestes Buch sehr unterhaltsam und höchst amüsant. Ich habe allerdings auch Kritiken gelesen, in denen Leserinnen sich über Ihre recht saloppe Ausdrucksweise mokieren, z. B. über Ihre Ratschläge wie „Essen Sie immer nackt vor dem Spiegel…“ Keine Angst, den Anteil Ihrer etwas stärker gewichtigen Leserschaft mit sarkastischen Feststellungen wie „Unser Körper ist eine Baustelle, die früher oder später vollkommen saniert werden muss“ zu vergraulen?

Fröhlich: Nein, schon deshalb nicht, weil ich so etwas weder behaupten noch schreiben würde. Ich zitiere nur eine – leider – sehr verbreitete Haltung. Das ist nicht meine. Ich fände es auch ziemlich undankbar, meinen Körper, der mir schon so lange Freude macht, der mich weitgehend gesund und ohne große Zipperlein durchs Leben trägt – so respektlos zu begegnen.

MEDIZIN COMPACT: Sie haben uns mal verraten, dass Ihre Freundinnen alle Konfektionsgröße 38 aufwärts haben. Das klingt nach einer solidarischen Schicksalsgemeinschaft. Im täglichen Leben jedoch werfen Frauen untereinander nur so um sich mit vergifteten Komplimenten. In Ihrem Kapitel „Abspeckkommentare“ kann man das wunderbar nachlesen. Was, glauben Sie, ist der Grund für diese weibliche Scheinheiligkeit?

"Diät-Deutsch Deutsch-Diät" - Das neue Buch von Susanne Fröhlich

„Diät-Deutsch Deutsch-Diät“ – Das neue Buch von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis (bei Langenscheidt erschienen)

Fröhlich: Meiner Meinung nach geht es um Kontrolle. Uns Frauen wird ständig erzählt, wir müssten unseren Körper, unser Aussehen kontrollieren. Und nicht nur unseres – sondern auch das von anderen Frauen.

Solange sich Frauen ausschließlich um ihr Aussehen kümmern,
kommen sie auch nicht auf andere „dumme“ Gedanken…

… wie dem, etwa die Hälfte aller Vorstandsvorsitze in den Unternehmen zu fordern oder auf gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit zu pochen.

Langsam spricht sich das allerdings auch unter Frauen rum, dass es schlicht verschwendete Energie ist, sich über anderer Frauen Aussehen zu mokieren.

MEDIZIN COMPACT: Ich habe gelesen, dass bei Ihnen eine Diät nur funktioniert, wenn Sie keine schlechte Laune haben… Was bringt denn die eigentlich immer fröhliche Fröhlich so richtig auf die Palme?

Fröhlich: Männer auf Frauenparkplätzen, ungerechte Bezahlung, die Annahme, dass wir Frauen schon irgendwann die Hälfte der Chefposten haben werden, wenn wir nur weiterhin brav auf die Quote verzichten. Und… was alle Frauen auf die Palme bringt: der konsequente Verzicht auf Kohlenhydrate. Das ist überhaupt nicht meins und ich denke, auch andere Frauen versaut es enorm den Tag, wenn sie komplett darauf verzichten.

MEDIZIN COMPACT: Sie haben im vorigen November Ihren Fünfzigsten gefeiert. Wie fühlt sich das an, ist jetzt irgendetwas anders? Und… im Rückblick: was war die beste Dekade in Ihrem bisherigen Leben?

Fröhlich:

Die beste Dekade ist immer die, in der ich gerade bin.

Ehrlich – ich fühle mich nicht anders. Weder würde ich jetzt ein Feuerwerk entzünden, nur weil ich 50 wurde, oder jeder neuen Falte einen roten Teppich der Begeisterung ausrollen, noch in Tränen ausbrechen. Ich bin sehr dankbar für das, was ich habe: meine Kinder, die Erfahrung einer sehr langen, sehr glücklichen Beziehung und einer nun sehr tiefen Freundschaft mit meinem Ex-Mann. Ich habe tolle Freundinnen, eine große und großartige Familie. Und ich kann tun, was ich liebe, nämlich schreiben. Wenn das so bleibt – wunderbar!

MEDIZIN COMPACT: Sie sind nicht nur Bestseller-Autorin, sondern auch Mutter von zwei Kindern. Wie meisterten Sie das Thema „gesunde Kinderernährung“ bei Ihrem Sohn bzw. bei Ihrer zwischenzeitlich volljährigen Tochter?

Fröhlich: Meine Tochter studiert längst – und isst in ihrer Wohngemeinschaft. Allerdings kann sie fantastisch backen. Ich liebe ihre Kuchen und Torten. Mein Sohn ist aus dem Ketchup-Nudel-Alter längst heraus. Er isst eigentlich gern, was ich auch gern esse. Auch mal etwas einfaches wie Kartoffelbrei, Spinat, Spiegeleier.

MEDIZIN COMPACT: Es ist ja zwischenzeitlich erwiesen, dass eine Neigung zu Übergewicht bereits in der Kindheit geprägt wird. Welchen praktikablen Tipp können Sie Frauen geben, damit deren Kinder beispielsweise nicht zu viel Naschkram oder ständig Burger mit Pommes konsumieren?

Fröhlich: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man selbst mit den besten Absichten und 1-A pädagogischen Vorkenntnissen oft grandios an den Bedürfnissen seiner Kinder scheitert. Strikte Verbote halte ich für ebenso riskant wie totaler Freestyle.

„Mein Tipp: Familienmahlzeiten einhalten, wenn es der Tagesablauf zulässt, also Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.“ Die drei Hauptmahlzeiten möglichst selbst zubereitet und gekocht, wenig Fertiggerichte, und dazwischen möglichst nichts. Damit ist schon sehr viel gewonnen.

Das große Problem heutzutage ist die Versnackung des Speiseplans.

Ständig isst man – vielleicht nicht viel, aber ohne größere Pausen, im Zwischendurch, allein – und eben nicht am Tisch mit anderen. Kein Wunder also, wenn übergewichtige Kinder zum Problem der Erwachsenen werden!

Foto: Kzenon, fotolia.com; Langenscheidt Verlag